Gällisch und Scots – die inoffiziellen Sprachen Schottlands

„Sràid na Banrighinn“, so heißt der Bahnhof der schottischen Hauptstadt Glasgow auf Gällisch. Das weiß ich nicht, weil ich Gällisch spreche, sondern einfach, weil unter dem englischen Namen die gällische Übersetzung steht – wie auf jedem Bahnhofsschild in Schottland. Neben dem Gällischen ist auch Scots eine anerkannte Sprache. Beide müssen sich gegen das Englische behaupten. Ein Überblick über die zwei „Minderheitensprachen“ Schottlands.

Schottisches Gällisch

Nur noch ein bis zwei Prozent der schottischen Bevölkerung sprechen heute noch Gällisch. Die meisten leben auf den äußeren Hebriden, einer Inselgruppe, die man über eine mehrstündige Fährfahrt erreicht. Dabei hatte Gällisch mal den Status einer Nationalsprache. Doch die Highland-Clearances, also die gewaltsame Vertreibung der ansässigen Bevölkerung ab dem 18. Jahrhundert, ließen das schottische Gällisch beinahe aussterben. Heute versucht man das zu retten, was noch übriggeblieben ist von dieser fremd klingenden Sprache, die einst von irischen Siedlern nach Schottland gebracht wurde.

Im schottischen Parlament (Gällisch: Pàrlamaid na h-Alba) gibt es viele Schilder mit gällischer Übersetzung. Sie wirken ein wenig unnötig, wenn man bedenkt, dass hauptsächlich Touristen das demokratische Herz des Landes besuchen. Außerdem können Gällisch-Sprecher gewöhnlich auch Englisch.

Man muss aber bedenken: Die Menschen auf den abgeschiedenen Inseln verknüpfen mit dem Gällischen mehr Kultur und Identität als mit dem Englischen. Hintergedanke: Sie sollen sich nicht fremd fühlen, wenn sie durch Schottland reisen, wo sie ja immerhin auch Bürger sind. Auch die Regierung setzt sich für die gällische Sprache ein. Es gibt nun Schulunterricht und sogar Unikurse.

Ja, was das Gällische angeht, findet so etwas wie Sprachpflege statt. Sogar einen Fernsehsender auf Gällisch gibt es für die paar Dutzend, die es verstehen. Aber machen wir uns nicht lustig, sondern sind lieber froh über diese „Schutzmaßnahmen“. Denn mit Sprachen ist es wie mit seltenen Tierarten: Stirbt eine aus, kann man sie nicht mehr zurückholen.

Scots

Im Gegensatz zu Gällisch steht Scots noch nicht auf der „Liste der bedrohten Sprachen“.  In den Städten spricht jeder mehr oder weniger diesen Dialekt, der von den Vikingern stark mitgeprägt wurde. Generell wird er in Richtung der Arbeiterschicht stärker. Die Schotten streiten oft darüber, ob Scots nur ein Dialekt des Englischen ist oder doch etwas Eigenes. Für Letzteres spricht, dass selbst englische Muttersprachler oft Verständnisprobleme haben. Britische Medien haben Scots außerdem bereits einen „ausländischen“ Klang bescheinigt.

Kein Wunder bei dem Zungen-R, das eher nach Osteuropa klingt, und dem charakteristischen Singsang, dem etwas Komödiantisches anhaftet. Die Schotten sind jedenfalls stolz auf ihre Sprache. Schließlich klingt sie nicht nach England – und das ist für viele das Wichtigste. Fließender Scots-Sprecher wird man hier nicht so schnell. Aber wenn man in Schottland wohnt, sollte man die Standards können: Ein knackiges „aye“ heißt „ja“, „dreich“ ist „schlechtes Wetter“ und „cheers“ bedeutet „danke“. Auch ein Klassiker: „I dinna ken“ – „Ich weiß nicht“.

Sprachen in Schottland sind so wichtig wie Schottenrock und Whisky: Sie gehören untrennbar zur schottischen Identität. Das gilt für den Inselbewohner, den Großstädter und den Arbeiter gleichermaßen. Und wenn es nur zur Abgrenzung von England dient.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Gällisch und Scots – die inoffiziellen Sprachen Schottlands

  1. […] über Gällisch und Scots – die inoffiziellen Sprachen Schottlands — Dusty Roads […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s